Heimat

Als Jana das erste Mal Karolin trifft, imponiert diese ihr sehr. Nicht nur, dass sie das Gedicht, das Jana liest, rezitieren kann, sie hat auch noch ihre Kinder im Griff und erkennt sofort, dass Jana schwanger ist. Die beiden freunden sich an und Jana Heimat beginnt, Karolins Instagram-Kanal zu folgen. Ihre anfänglichen Bedenken über den Inhalt werden durch den persönlichen Kontakt mit Karolin über Bord geworfen. Diese inszeniert sich als traditionsbewusste Frau, sogenannte „Tradwife“ (Frauen, die sehr konservative, religiöse Werte vertreten und dies auch publik machen). Karolin und ihre Freundinnen schaffen es, Jana immer mehr in ihre Gemeinschaft zu ziehen und zu beeinflussen. Als Noah, Janas Mann, sich von ihr trennt, wird sie von ihren neuen „Freundinnen“ aufgefangen. Jana befindet sich in einer schwierigen Lebensphase: Neue Stadt, kein Job, schwanger mit dem dritten Kind. Sie zweifelt an sich und ihren Entscheidungen, ist unsicher und leicht beeinflussbar. Das nutzen Karolin und ihre Freundinnen aus und ziehen sie in ihren Bann. – Sehr eindrücklich zeigt der Roman die subtile Einflussnahme durch die Instagram-Posts der „Tradwifes“ und die durch die Algorithmen vorgeschlagenen Kanäle. Jana kommt aus dieser Spirale nicht mehr raus und verliert sich immer mehr. Die Autorin (zuletzt BP/mp 22/157) schafft es, den Begriff "Heimat" ad absurdum zu führen und die Gefahren aufzuzeigen, die von den sozialen Medien ausgehen.

Angela Hagen

Angela Hagen

rezensiert für den Borromäusverein.

Heimat

Heimat

Hannah Lühmann
hanserblau (2025)

169 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 623205
ISBN 978-3-446-28282-7
9783446282827
ca. 22,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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