Die Auster
Leonora arbeitet als Putzfrau für Dr. Bronstett, dem Direktor eines großen Kaufhauses. Mehrmals die Woche kommt sie zu ihm und bei diesem Mal fällt ihr sofort der Geruch auf. Auf den zweiten Blick auch das Blut. Und im Wohnzimmer dann Dr. Bronstett,
tot auf dem Boden liegend. Jemand hat ihn umgebracht. Leonora kann die Unordnung und den Schock nicht vertragen und fängt erstmal an zu putzen. Als sie später die Polizei ruft, hat sie bis zu deren Eintreffen schon viele der Blutspuren im Haus beseitigt. Die Polizisten sind nicht begeistert, aber Leonora kann kurze Zeit später gehen. In Dr. Bronstetts Nachlass findet sich die Bitte, dass Leonora seine Beerdigung organisieren möchte und so steigt sie zur Planung erneut in den Mikrokosmos des Kaufhauses ein, für das sie jahrzehntelang gearbeitet hat. – Leonora ist ein sehr ruhiger Charakter und so wird die Geschichte auch erzählt. Das Tempo ist gemächlich und es wird auf effekthaschende Elemente verzichtet. Trotzdem ist interessant zu sehen, wie sie sich zwischen all den anderen Figuren bewegt und dabei ihre ganz eigenen Vorstellungen verfolgt – und die Geschichte dieses Todesfalls aufdeckt, weil sie zwar für die meisten Menschen in ihrer Umgebung unsichtbar war, aber selbst genau hinguckt. Für Leser:innen, die auf ungewöhnliche Krimis (oder Spannungsliteratur) stehen, empfehlenswert.
Julian Schirm
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Auster
Yael Inokai
Hanser Berlin (2026)
220 Seiten
fest geb.