Zeit der Monster

Die in Köln-Kalk aufgewachsene Autorin Seyda Kurt (Jg. 1992) hat mit ihrem neuen Roman „Zeit der Monster“ ihrer Heimatstadt ein Denkmal gesetzt. Der rechtsrheinische Ortsteil ist ein sozialer Brennpunkt mit multikultureller Subkultur. Der Arbeiterstadtteil Zeit der Monster war einst einer der größten Industriestandorte im Rheinland. Jetzt entwickelt er sich gerade zu einem spannenden, aufstrebenden Viertel. Die Autorin greift diesen Prozess auf. Eine ihrer Hauptfiguren ist Sanya, die in ihrem Rucksack „ihr halbes Leben“ herumträgt. Ihre Wahlmutter ist Mira, die Organisatorin des Viertels. Deren Kinder Nabu und Yousip sind weitere wichtige Figuren. – Ein handgemalter Plan des Viertels gibt Orientierung, darin auch die realen Gebäude der alten Chemiefabrik samt Wasserturm und Odysseum und die Kirche St. Joseph. Ein eindeutiger Plot ist schwer auszumachen, die Geschichte steuert auf eine Apokalypse zu und changiert zwischen Gesellschaftsroman, Tragikomödie, politischem Thriller und Fantasy. Der Zeitraum umfasst sieben Tage, wobei ein Ich-Erzähler jeweils eine „Bestandsaufnahme zu Mitternacht“ macht. Dabei holt er weit aus, greift in den Sumpf der Geschichte und lässt einen Silberbecher aus dem Assyrischen Reich eine wichtige Rolle spielen. – Ein kryptischer Roman.

Karin Blank

Karin Blank

rezensiert für den Borromäusverein.

Zeit der Monster

Zeit der Monster

Seyda Kurt
Hanser (2026)

281 Seiten : Karte
fest geb.

MedienNr.: 625669
ISBN 978-3-446-28460-9
9783446284609
ca. 23,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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