Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
Über 40 Jahre war Christien Brinkgreve verheiratet. Als sie 2022 nach dem Tod ihres Mannes in ihr überladenes Haus in Amsterdam zurückkehrt, in dem sich, wenn auch wohlgeordnet, viele Dinge, die ihrem Mann wichtig waren, angesammelt haben, lässt
sie ihr Ehe- und Familienleben Revue passieren: Schonungslos, ohne anzuklagen und erstaunlich offen erzählt sie, wie sie, die beruflich souveräne Frauenforscherin, im privaten Leben sich viel zu oft zurückgenommen hat. Immer wieder hadert sie damit, die ihr selbstverständlich gewordene traditionelle Rolle der Ehefrau und Mutter ohne Mithilfe ihres Mannes mit ihrem Beruf in Einklang zu bringen. Um sich von den Stimmungsschwankungen ihres depressiven Mannes nicht anstecken zu lassen, zieht sie sich nach und nach zurück, bis die Kommunikation der sich immer noch liebenden Ehepartner sich nur noch auf E-Mails beschränkt. Brinkgreves Trauerarbeit besteht zum einen in der Analyse ihrer schwierigen Ehe, zum anderen beschreibt sie, wie sie einen Neuanfang wagt, indem sie sich trotz des Protests ihrer erwachsenen Kinder ihr neues Leben im alten Haus einrichtet. – Absolut lesenswert!
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
Christien Brinkgreve ; aus dem Niederländischen von Lisa Mensing
Hanser (2026)
189 Seiten
fest geb.