Diamanten

Wird man so, wie man als Kind und als Jugendlicher genannt wird? Welche Bedeutung haben Kose- und Rufnamen fürs Erwachsenwerden? Und wie wirken sich solche Namensgebungen auf individuelle Entwicklung und familiäre Atmosphäre aus? Das sind die Fragen, Diamanten mit denen David Vajdas erster Roman in die Geschichte einsteigt. „Diamanten“ ist ein Rufwort des Vaters für seine vier Kinder, „Macak“ (Kater) ein anderes. Wer ihm widerspricht, ist ein „Trottel“. Ist es noch Liebe, die diese Rumpffamilie zusammenhält? Die Mutter ist gestorben, und die vier ziehen mit ihrem hyperaktiven Vater, einem Regisseur aus dem ehemaligen Jugoslawien, durch halb Europa, erleben die mondäne Hochzeit eines Onkels in Griechenland, sie kommen an bayerischen Seen, in Wien, in einer Villa in der Provence zusammen. Alles beginnt in der Herkunftswelt des Vaters, in Belgrad, vor Titos Mausoleum. Ihre beständige Begleitung ist die abwesende Mutter. In Erinnerungen taucht sie auf, wie in szenischen Kamerafahrten, entlang ihres Lebens, ihrer Krankheit, ihres Sterbens. Der Mutterverlust macht das Nachdenken produktiv, lähmt aber das Vorauswissen. Niemand von den Geschwistern, drei Brüder und eine Schwester, scheint zu wissen, wo die Reise letztlich hingeht. – Mit tastenden Trostversuchen und amüsanten Randgeschehnissen erzählt David Vajda von einer Familienaufstellung mit Hindernissen. Ein angenehm lesbarer Familienroman, eine geschwisterliche Coming-of-age-Story und ein opulenter Road-Trip. Empfehlenswert.

Michael Braun

Michael Braun

rezensiert für den Borromäusverein.

Diamanten

Diamanten

David Vajda
Hanser Berlin (2026)

172 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 624595
ISBN 978-3-446-28584-2
9783446285842
ca. 23,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: SL
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