Unerwünschte Töchter
Carbes aus dem Bildungsbürgertum stammende Urgroßmutter Margarethe wächst in der Dresdner Villa „Parsifal“ auf. 1911, drei Monate vor der Geburt ihres Sohnes, heiratet sie Felix, der auch der Vater ihrer 1914 geborenen Tochter Marianne wird
und im Ersten Weltkrieg stirbt. Danach heiratet Margarethe Felix' Bruder Karl, mit dem die Familie immer wieder umziehen muss, weil Karl ständig seine Arbeitsstelle wechselt. Margarethes Tochter Marianne trifft es ebenfalls hart, als sie miterleben muss, wie ihre große Liebe Alfred, ein Sozialist, gegen seine Überzeugung Todesurteile im Sinne der Nazis signiert, bis er selbst ein Opfer des Kriegs wird. Mariannes und Alfreds Tochter Monika wird psychisch krank, beweist aber ihre Stärke, als sie 1967 trotz familiärer Einwände ihre dunkelhäutige Tochter Miriam (die Autorin) zur Welt bringt. – Aus Tagebüchern und dem Nachlass ihrer Vorfahrinnen entwickelt Carbe einen fiktiven Roman über deren Leben im Schatten zweier Weltkriege und in Ost und West. Sie alle haben nach innerer Freiheit und Glück gesucht und sich trotz unterschiedlicher Lebensentwürfe gegenseitig unterstützt. Ein lesenswertes Debüt, dem es an Authentizität seiner Figuren und Handlung nicht mangelt.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Unerwünschte Töchter
Miriam Carbe
Hanser (2026)
573 Seiten
fest geb.