Dialektik der Säkularisierung
Braucht der liberale Rechtsstaat ein weltanschauliches oder religiöses Fundament? Das ist die Kernfrage eines von der Katholischen Akademie Bayern im Januar 2004 veranstalteten Disputes, in dem sich mit Jürgen Habermas und (damals noch) Kardinal
Joseph Ratzinger zwei Repräsentanten zweier ganz unterschiedlicher geistiger Traditionen gegenüberstanden. Habermas betonte zwar die Selbstlegitimation der Verfassungsordnung, verpflichtete die säkulare Gesellschaft aber auch darauf, das Wort der Religionen zu gesellschaftlichen Themen zu hören und es in das säkulare Denken zu übersetzen. Der Präfekt der Glaubenskongregation indes mahnte eine wechselseitige Kritik von Religion und Vernunft an und forderte einen interkulturellen Dialog über das Wesen des Menschen und dessen Folgerungen für eine ethische Fundierung der Menschenrechte. - Das Buch setzt vorgebildete Leser voraus, trotzdem ist es schon ab mittleren Beständen zu empfehlen, dokumentiert es doch einen neuen Anfang im Dialog zwischen dem modernen Säkularismus und dem Christentum.
Richard Niedermeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Dialektik der Säkularisierung
Jürgen Habermas, Joseph Ratzinger ; mit einem Vorwort herausgegeben von Florian Schuller
Herder (2018)
64 Seiten
kt.