Herzschlag
Der Autor, promovierter Theologe, Pädagoge und seit 2018 Bischof von Hildesheim, tritt in einen fiktiven literarischen Dialog mit Etty Hillesum, der in Auschwitz ermordeten Jüdin, die durch ihre posthum veröffentlichen Tagebuchaufzeichnungen berühmt
geworden ist. Die Beschäftigung mit diesen Schriften wird zu einer inneren Zwiesprache. Etty fordert den Autor heraus: Nicht, weil er ein Deutscher ist, sondern weil sie sein Innerstes trifft mit ihrer Haltung, bei allem Schrecklichen im Feind einen Funken Menschlichkeit zu sehen. Dann, so der Autor, gebe es Hoffnung, dann sei Versöhnung möglich. Er bewundert Ettys Haltung, die trotz aller Widrigkeiten ihren Humor, ihre innere Freiheit und Ruhe behält und die sich ihre Würde nicht nehmen lässt. Wilmer möchte ihren Gedanken auf den Grund gehen: den Überlegungen zur Literatur, dem Bedürfnis zu schreiben, zum Verzeihen, den Gedanken über Heimat, über den Glauben und das Beten. Er habe, so der Autor, unfassbar viel von dieser Frau gelernt, vor allem, dass alle zusammengehören, die in Gott ihren Anker werfen. "Herzschlag" ist ein tiefgründiges Werk, das zum Nachdenken und Nachempfinden einlädt. Besonders beachtens- und empfehlenswert!
Gertrud Plennert
rezensiert für den Borromäusverein.
Herzschlag
Heiner Wilmer
Herder (2024)
157 Seiten
fest geb.