Erinnern heißt Handeln
Erst kürzlich ist die Journalistin und Trägerin des Bundesverdienstkreuzes im stolzen Alter von 101 Jahren verstorben. Somit ist das aktuelle Werk, welches in Zusammenarbeit mit Lutz Kliche entstanden ist, ein letzter autobiographischer Rückblick
auf ein bewegtes Leben: In Fürth 1924 geboren musste die Jüdin 1936 vor den Nationalsozialisten fliehen und kam nach Südafrika. Ein Land, das ihr zu einer Heimat werden sollte. Aber auch ein Land, das durch die Rassentrennung des Apartheitregimes tief gespalten war. Zunächst als Gehilfin in einer Kanzlei, dann als Angestellte in einem Buchhandel und schließlich als Journalistin setzte sie sich nach dem Zweiten Weltkrieg in einer von Männern dominierten Welt für Demokratie und Menschlichkeit ein. Diese Arbeit und ihr Leben in Südafrika nehmen den größten Teil dieses Rückblicks ein. Die so auf rund 180 Seiten zusammengefassten Erinnerungen sollen zum Handeln ermutigen, die Demokratie überall auf der Welt zu verteidigen. So versteht sich auch der Titel "Erinnern heißt handeln", ein Aufruf, der in den aktuellen unruhigen Zeiten, in denen Demokratien auf der ganzen Welt mehr in Gefahr sind denn je, umso wichtiger erscheint. Immer wieder werden so Bezüge auch zum aktuellen Weltgeschehen hergestellt. – Trotz all den Widerständen in ihrem Leben bleiben die Aussagen positiv und hoffnungsvoll, was viel über die Persönlichkeit von Ruth Weiss aussagt und das Buch zu einer anregenden Lektüre werden lässt. In diesem Heft auch ihr Roman „Der Todesengel von São Tomé“.
Sebastian Heuft
rezensiert für den Borromäusverein.
Erinnern heißt Handeln
Ruth Weiss mit Lutz Kliche
Herder (2025)
175 Seiten : Illustrationen
kt.