Der Todesengel von São Tomé
Der UN-Mitarbeiter Martin Merriman wird auf der Insel Sao Tomé in den Todesfall des Autors Gideon Simon Jalles verwickelt. Verschwunden ist auch das Skript seines letzten Romans. Merriman vermutet in dem Skript das Motiv für den Mord. Er beginnt
zu ermitteln. Dass er mit seiner Vermutung nicht ganz falsch liegt, scheint ein Mordanschlag auf ihn zu bestätigen. Gleichzeitig kommt er der geheimnisvollen Geliebten von Gideon Jalles auf die Spur. Doch in der gefährlichen und korrupten Atmosphäre der Republik weiß er schon bald nicht mehr, wem er vertrauen kann und wer ein falsches Spiel spielt. Parallel dazu wird sehr ausführlich die Geschichte der Juden auf der Insel beginnend mit dem Jahr 1492 geschildert. Die Flucht der Juden aus Spanien nach Portugal, der Betrug durch den König und die Entführung der Kinder nach Sao Tomé. Die Besiedelung der Insel durch portugiesische Siedler, Sklaven und die jüdischen Kinder haben nicht nur familiäre Auswirkungen bis in die heutige Zeit. – Ein packender Roman, der nicht nur Krimi ist, sondern sich auch mit der Geschichte einer kleinen, eher unbedeutenden Inselrepublik am Rande von Westafrika auseinandersetzt. Abwechselnd werden die Historie und der Krimi weitergeschrieben. Durch die Wechsel zwischen den Zeiten ist das Buch nicht immer einfach zu lesen. Der Roman verlangt viel Konzentration und den Willen, sich auf die Historie einzulassen, da sie für den Krimi durchaus von Relevanz ist. Das Personenverzeichnis und das Glossar am Ende des Buches helfen, den Überblick zu behalten. Die 2025 gestorbene Autorin war Zeitzeugin des Holocausts und hat sich in ihren Büchern mit dem Schicksal der Juden auseinandergesetzt. Für geübte, historisch interessierte Leser:innen ein Lesegenuss.
Angela Hagen
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Todesengel von São Tomé
Ruth Weiss
Verlag Edition AV (2025)
350 Seiten
kt.