Die Verletzung der Menschenwürde

Wenn die Klagen gegen Menschenrechtsverletzungen inflationär werden, geraten nicht nur Politik und Gesellschaft in einen Stillstand, sondern erleidet auch die Idee des Schutzes der Menschenwürde auf Dauer einen erheblichen Schaden. Möglichst präzise Die Verletzung der Menschenwürde Grenzziehungen sind also nötig, und dazu leistet dieses Buch mit seiner Vielzahl von Fallbeispielen, mit denen sich der in Straßburg ansässige Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in den letzten Jahren zu beschäftigen hatte, einen wichtigen Beitrag. Denn es geht dem Autor nicht um abstrakte Definitionen, erkennt er doch die Not der Begriffe, die in ihrer verallgemeinernden Unschärfe die Sache nicht immer treffen. Hilfreich ist eher, differenziert den Komplex der Erfahrungen zu reflektieren, also auch sämtliche Umstände, Absichten und Situationen zu bedenken, in denen potentielle Verletzungen der Menschenrechte gegeben sein können. Das greift über den Einzelfall hinaus und bezieht auch den geschichtlichen Horizont menschlichen Handelns mit ein. Der Leser soll sensibel werden für Kriterien, die gerade in den Graubereichen Orientierungspunkte für ein Urteil geben. Gut, der Leser muss dieses Urteil nicht letztgültig sprechen; aber das ist ebenso wenig das Ziel, wie eine nachträgliche Akzeptanz richterlicher Entscheidungen zu erreiche. Viel wichtiger ist die Annäherung an einen gesellschaftlichen Konsens darüber, was der Respekt vor dem Menschen und seiner Würde verlangt.

Richard Niedermeier

Richard Niedermeier

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Die Verletzung der Menschenwürde

Die Verletzung der Menschenwürde

Clemens Sedmak
Herder (2026)

368 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 625078
ISBN 978-3-451-03674-3
9783451036743
ca. 40,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: So
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