Benedikts Vermächtnis, Franziskus' Auftrag
Was meinte Papst Benedikt XVI. wirklich mit der von vielen als verstörend empfundenen, von Papst Franziskus aufgenommenen Forderung nach einer "Entweltlichung" der Kirche? Dass damit keiner Weltflucht das Wort geredet, nicht der Rückzug der Kirche
aus dem sozial-caritativen Aufgabenfeld verlangt wurde, zeigt Kurienkardinal Cordes, indem er ganz unterschiedliche Vorläufer dieser Entweltlichungs-Idee auf ihr Weltverhältnis untersucht: die in den Bahnen Platos denkende Simone Weil etwa, die, obwohl esoterisch der Welt abgewandt, doch ihr Leben für die Welt hingab; oder Bultmann, der die Entweltlichung zugunsten einer tieferen Gottbezogenheit einforderte. Zu solchen Theoretikern treten Mutter Teresa, Klaus von Flüe und Charles de Foucault hinzu, die belegen, dass die Abwendung von der Welt und die Hinwendung zu Gott einen radikalen Weltdienst überhaupt erst ermöglichen. Wie der Ruf zur Entweltlichung in Deutschland aufgenommen, dann aber verzerrt und verdrängt wurde, zeigt der Psychiater und Psychotherapeut M. Lütz in einer treffenden Analyse der Psychopathologien des deutschen Katholizismus und der hiesigen Medienwelt. Er öffnet damit auch die Tür für ein spirituelles Entweltlichungs-Programm, das auf die Änderung der Herzen und nicht der Institutionen und Strukturen setzt.
Richard Niedermeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Benedikts Vermächtnis, Franziskus' Auftrag
Paul Josef Cordes ; Manfred Lütz
Herder (2013)
160 S.
fest geb.