Die Freude, Priester zu sein
Es ist ein hohes, aber kein überhöhtes Bild vom Priester, das Kardinal Schönborn während der von ihm gehaltenen Priesterexerzitien in Ars zeichnete, die diesem Büchlein zugrunde liegen. Einfühlsam, auch das eigene persönliche Zeugnis nicht scheuend,
spricht der Kardinal über die Fundamente priesterlicher Existenz: die im Bußsakrament geschenkte Barmherzigkeit Gottes, das Gebet, die Eucharistiefeier, die Predigt und die Mission, die Gottesmutter. Sein Ausgangspunkt ist aber nicht das priesterliche Ideal, sondern sind die Nöte und Bedrängnisse, die dem Priester heute das Leben schwer und seine Arbeit oft unfruchtbar machen: das Verfallensein an die Leere, das kalte Herz im Gebet, die eigene mangelnde Beichtpraxis, die Arbeitsbelastung in immer größer werdenden Gemeinden, die Frustrationen in einer nachchristlichen Gesellschaft, die Nacht des Glaubens. Die Offenbarungen der Sr. Faustyna, der heilige Pfarrer von Ars, Pater Pio, Therese von Lisieux und nicht zuletzt die Heilige Schrift bilden die Quellen, aus denen der Kardinal seine Antwort darauf schöpft. Und diese Antwort ist fern, nur einfach fromm zu sein; gestützt auf ganz schlichte Ratschläge und geistliche Hilfen, leuchtet sie in ein weit gemachtes Herz hinein und legt neuen Glanz auf die mitunter so grau gewordene priesterliche Berufung. So erreicht dieses Buch aber auch alle Gläubigen, weil der Priester ja nichts für sich hat, sondern ein wirkliches Geschenk Gottes an seine Kirche ist.
Richard Niedermeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Freude, Priester zu sein
Christoph Schönborn
Herder (2011)
180 S.
fest geb.