Die letzte Nacht
Wenn nachts plötzlich sechs schwarz gekleidete Typen ins Haus einer wohlhabenden Familie eindringen, alles durchsuchen, die Oma ermorden, die Mutter zusammenschlagen und die Kinder entführen, dann ist das für einen fünfjährigen Buben natürlich
ein unendlicher Schock. Die Revolutionsgarden, die nach dem Sturz des Schahs und der Regierungsübernahme der Ayatollahs ihre neu gewonnene Macht an den wohlhabenden Familien ausließen, bestimmen jetzt über das Leben des kleinen Cyrus. In einem Kinderlager werden viele Kinder, die aus guten Familien stammen, "umerzogen". Dass dabei zumeist gewalttätige und zum Teil pädophile Aufseher die Kinder misshandeln und vergewaltigen, ist für die Kinder eine entsetzliche Marter. Schließlich werden die Kinder darauf trainiert, Minen zu entschärfen. So schickt man sie in der Nacht in vermintes Gebiet an der Grenze zum Irak. Nach einer Explosion, die seinem Freund Omid den rechten Arm abreißt, ein anderes Kind schwer verletzt und einen Soldaten, der zu Hilfe kommt, das Leben kostet, schafft es Cyrus, mit vier Kameraden zu fliehen. Er wird gefangen und kommt wieder ins Lager, wo die Qualen von Neuem beginnen. Über eine Hilfsorganisation gelingt es, ihn aus dem Gefängnis zu holen und ihm die Flucht aus dem Land zu ermöglichen. In Deutschland versucht man, ihm jede Hilfe zu geben, um das Trauma, das sein Leben fast zerstört hat, zu mildern. - Das Buch ist nichts für schwache Nerven! Doch kann es auf die schlimmen Schicksale, die viele Flüchtlinge dazu gezwungen haben, ihr Land zu verlassen, aufmerksam machen. Lesenswert.
Gerd Fleder
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die letzte Nacht
Cyrus Avramian
Herder (2012)
260 S.
fest geb.