Religion, Konfessionslosigkeit und Atheismus
Bunt und pluralistisch ist in den letzten Jahrzehnten die religiöse Landschaft in Deutschland geworden, aber das gilt merkwürdigerweise auch für den dezidiert areligiösen Teil unserer Gesellschaft. So sind im Christentum selbst und in dem, was
es bei seinem fortschreitenden Rückzug hinterlassen hat, weltanschauliche Grautöne entstanden, die es zu beachten gilt, wenn man über die Zukunft des Christentums und über Wege der Neuevangelisation sprechen will. Dem Erbe Eugen Bisers gemäß versucht die nach ihm benannte Stiftung, die Möglichkeiten des Dialogs zwischen den unterschiedlichen Positionen auszuloten. So reicht das Spektrum dieses auf eine Vortragsreihe zurückgehenden Buches von grundsätzlichen Erwägungen zu Naturalismus und Theismus - hier spielt vor allem die Theodizee-Frage eine Schlüsselrolle - über Themen der Entwicklung innerhalb der christlichen Religion bis hin zur Darstellung und Bestandsaufnahme religiöser Relikte in gänzlich säkularen Lebensentwürfen und Gesellschaftsformen, die vor allem auch anhand empirischer Untersuchungen und aktueller Debatten (vor allem Sterbehilfe und medizinische Konflikte) vorgenommen werden. Die einzelnen Beiträge zeichnen die Konturen zwischen religiöser, dezidiert areligiöser Haltung und der bloßen Konfessionslosigkeit wieder schärfer, eröffnen zugleich aber auch Räume für eine Diskussion, die nicht mehr vom gegenseitigen Missverstehen belastet ist.
Richard Niedermeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Religion, Konfessionslosigkeit und Atheismus
Katja Thörner ... (Hg.)
Herder (2016)
357 S.
fest geb.