Schatten auf meiner Seele
Der Autor, als schwedischer Politiker heute Generalsekretär der Olaf-Palme-Stiftung schildert, wie er sich behutsam an die lange ihm nur bruchstückhaft bekannte Familiengeschichte seiner deutschen Mutter Katja herantastete, die 1949 als 22-jährige
nach Stockholm auswanderte. Katja ist die älteste Tochter aus der zu ihrer Zeit nicht standesgemäßen Ehe eines Dorfschullehrers und einer Gutsherrentochter in Hinterpommern. Mit dem Einmarsch der Roten Armee im März 1945 beginnt für ihre Familie, ihre Verwandten und Nachbarn eine Leidenszeit, die täglich geprägt ist von Morden, Vergewaltigung, Raub, Hunger und Entwurzelung. Diese Themen waren in der Familie, die schließlich nach Schleswig-Holstein gelangte, lange tabuisiert und erst durch Reisen in die Heimat ihrer Kindheit öffnet sich Katja langsam ihren verschütteten Erinnerungen und ihrem Sohn. - Der Autor reflektiert ohne Vorurteile die Frage, wie er sich selbst unter den damaligen Gegebenheiten verhalten hätte und welche Wirkungen diese Ereignisse auf seine und die folgende Generation haben. Die Schilderungen sind exemplarisch für das Erleben vieler Ostvertriebener und ihrer Nachkommen. Breit einsetzbar.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Schatten auf meiner Seele
Jens Orback
Herder (2015)
262 S.
fest geb.