Adorf liest Goethe
Johann Wolfgang von Goethe weckt immer wieder unser Interesse. Zitate aus seinem Werk haben in den allgemeinen Sprachgebrauch Eingang gefunden und manche seiner Erkenntnisse sind heute so aktuell wie vor 200 Jahren. Das wird besonders bei den Sprüchen
deutlich, die der Dichter laut Beilage zur CD als kleine Gelegenheitsdichtung und als Befreiung von dem Frust des Tages schrieb. Darin erschöpfen sich auch die Anmerkungen zum Dichter, es folgt ein Werbeblock zu Mario Adorf, dessen Talent vor allem bei den wenigen längeren Gedichten und Balladen (Der Schatzgräber, Der König in Thule, Erlkönig und Der Zauberlehrling) zum Tragen kommt. Dazwischen sind kleine Verse und Sprüche eingefügt, was die Zahl der Titel auf 46 erhöht, bei einer Gesamtspielzeit von 43 Minuten. Daraus wird ersichtlich, dass es sich hier um ein bloßes Aneinanderreihen handelt, ohne verbindende Worte, ohne Hinweise zur Auswahl. Damit fliegen dem Hörer die Stücke um die Ohren und man müsste 45 Mal die CD anhalten, um das Gehörte wirken zu lassen oder über die oft sehr dichte Aussage nachdenken zu können. Die CD scheint lieblos gemacht, so als ob mit zwei großen Namen schnelles Geld gemacht werden sollte. Das Ganze ist umso ärgerlicher, als bei der kurzen Spielzeit noch Platz für 30 Minuten verbindender Worte oder zumindest kurzer musikalischer Einblendungen gewesen wäre, um dem Hörer das Verarbeiten der vielen Stücke zu erleichtern. Was bei den Schiller-Balladen gut funktionierte (Adorf liest Schiller - BP/mp 09/711) lässt sich nicht einfach auf Goethes Dichtung in dieser Auswahl übertragen.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Adorf liest Goethe
Adorf liest Goethe
Herder Audio (2011)
1 CD (ca. 43 Min.)
CD