Ethik der Gabe
So komplex ökonomische Beziehungen auch sein mögen, basieren sie doch immer auf dem einfachen Schema des Tauschhandels. Und dieses Schema liegt, ausgefeilt durch ein System von Regeln und vertraglich abgesichert, auch unserer modernen, stark ökonomisierten
Medizin zugrunde. Dass dieses System vor allem in Fällen existentieller Krisen und schwerer Krankheiten nicht ausreicht, zeigen die in diesem Buch gesammelten, aus der (theoretischen wie praktischen) Perspektive von Theologen, Philosophen und Medizinern geschriebenen Beiträge. Ihre Verfasser stellen dem pflichtgemäßen Handeln von Ärzten und Helfern ein Mehr des Gebens, der Hingabe und mitmenschlichen Sorge zur Seite, die überhaupt erst echte Gemeinschaft und personale Beziehungen schafft. Nur wo eine solche Ethik der Gabe herrscht, wird Humanmedizin im eigentlichen Sinne human, und es lösen sich auch viele Probleme vor allem um das Ende des menschlichen Lebens und seine fortdauernde Würde. Dabei ist, wie die oft in die Tiefe der Anthropologie führenden Reflexionen darlegen, eine solche Ethik keineswegs nur für die Medizin von Bedeutung; auch die Gesellschaft als ganze kann nur existieren, wenn es neben dem Ausgleich der Interessen auch das ungeschuldete Geben gibt. - Höchst lesenswert und nachdrücklich empfohlen!
Richard Niedermeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ethik der Gabe
Giovanni Maio (Hg.)
Herder (2014)
511 S.
fest geb.