Gegen die Verharmlosung Jesu
Neuheit und Lebenskraft der Kirche kommen ganz aus der Rückbesinnung auf den authentischen Jesus der Bibel - mit dieser exegetisch wie auch kirchengeschichtlich von ihm gut belegten These weist der Neutestamentler Gerhard Lohfink alle Versuche ab,
ein den Zeitströmungen angepasstes Lifestyle-Christentum zu konstruieren. So ist dieses Buch zuerst eines über den wahren Jesus, dessen herausfordernde gott-menschliche Wirklichkeit alle Jesusbilder sprengt, die heute als Alternative zur kirchlichen Lehre marktschreierisch angeboten werden. Zugleich geht es aber auch um die Kirche der Gegenwart und ihre Zukunft. Lohfink verankert sie fest in der Tradition, wenn er sie - einschließlich ihrer Ämter und ihrer Lebensformen wie z.B. den Zölibat - in der "Sinnrichtung" des NT angelegt findet; wie John Henry Newman entdeckt er aber auch das ebenso biblisch begründete Prinzip einer organischen Entwicklung zur Vollgestalt einer Kirche, die "in allem auf Christus zuwächst". Eine solche Kirche verwaltet den Glauben nicht nur, sondern hält Christus in schöpferischer Treue in sich lebendig, gegenwärtig. Gerade die Rückbesinnung auf Jesus und die Tradition geben daher dem Autor auch Ideen für konkrete neue Formen eines kirchlichen Miteinanders, von denen man nur wünschen kann, dass sie wie dieses Buch selbst eine bereitwillige Aufnahme im Gottesvolk finden. Allen Beständen sehr empfohlen.
Richard Niedermeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Gegen die Verharmlosung Jesu
Gerhard Lohfink
Herder (2013)
485 S.
fest geb.