Mach neu, was dich kaputt macht
Nie wieder wollte Johanna Beck nach dem Abitur Anfang der 2000er Jahre etwas mit der katholischen Kirche zu tun haben. Zu schwer wogen ihre Erfahrungen in der damals wie heute umstrittenen Katholischen Pfadfinderschaft Europas (KPE). Doch heute studiert
sie Theologie, hat in ihrer Stuttgarter Pfarrei Heimat gefunden, ist seit 2020 eine der Sprecherinnen des Betroffenenbeirats der Deutschen Bischofskonferenz. Wie es dazu kam, schildert sie in ihrem Buch. Sie gewährt sehr persönliche - aber durchaus exemplarische - Einblicke in einige Mechanismen geistlichen und sexuellen Missbrauchs: ein Angst machendes Gottesbild, die eingepflanzte Skepsis gegenüber eigenen Gedanken und Empfindungen, die völlige Überhöhung des Priesters und in diesem Fall eine mindestens verbal und atmosphärisch sexuell übergriffige Beichtpraxis. Immer wieder holt das Trauma sie ein, bringt sie einmal an den Rand des Suizids. Erst allmählich konnte sie mit psychologischer Hilfe die Zusammenhänge aufarbeiten. Mit ihrem Buch will sie aufrütteln, aber auch Sprachrohr sein für andere Betroffene und sie ermutigen. Innerhalb ihrer Kirche will sie für grundlegende Aufarbeitung und konsequente Reformen kämpfen. Ein sehr konkreter Beitrag in der Missbrauchsdebatte; zumindest allen mittleren und größeren Büchereien empfohlen.
Monika Graf
rezensiert für den Borromäusverein.
Mach neu, was dich kaputt macht
Johanna Beck
Herder (2022)
192 Seiten
fest geb.