Global gescheitert
Der Westen, verstanden als politische Leitidee, nähert sich einem Kipppunkt. Für die Ethnologin bedarf es eines unverzüglichen Kurswechsels in Staat und Gesellschaft, um dieses freiheitliche Lebenskonzept zu bewahren. In einer Mischung aus Selbstüberschätzung
und Selbstkasteiung haben sich ihrer Meinung nach die Eliten unserer Hemisphäre in Widersprüchlichkeiten verstrickt, deren zeitnahe Korrektur zur Überlebensfrage wird. Geopolitische Machtspiele, eine Migrationspolitik voller Fallstricke, Nachgiebigkeit gegenüber dem Islamismus, dazu Gängelungen wie die Identitätspolitik, Cancel Culture oder das Gendern der Sprache. Das sind für die Autorin nur einige der Krisen unserer Zeit, fast alle in ihren Augen selbstverschuldet und existenzbedrohend. Frau Schröter stellt die vielzitierte Spaltung westlicher Gesellschaften als Folge eines überdrehten, ja pervertierten Verständnisses der eigenen Grundwerte dar. Sie zeigt an vielen Beispielen, wie diese Sichtweisen mit einem hohen Maß an Aggressivität propagiert und umgesetzt werden. Der Schreibstil ist dicht, die Argumentationslinie konsequent. Trotz der Fülle an Zahlen, Daten und Fakten wirken die Darlegungen erfreulich unakademisch und das Werk erschließt sich dem Leser ermüdungsfrei. Eine Fundgrube für jeden, der an aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen Anteil nimmt. Zudem ein Buch, das sich nicht scheut, auch einige politisch unkorrekte Standpunkte zu beziehen. Für jeden Bestand empfohlen.
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Global gescheitert
Susanne Schröter
Herder (2022)
234 Seiten
kt.