Brandstifter und ihre Mitläufer

Rafael Seligmann, deutscher Publizist und Zeithistoriker israelischer Herkunft, setzt sich mit der Gefährdung von Demokratien auseinander, ein Phänomen, welches seit Jahren die politikwissenschaftliche Debatte prägt. Analysiert werden die Biografien Brandstifter und ihre Mitläufer der sogenannten „starken Männer“, die nicht nur in Diktaturen herrschen, sondern eben auch zunehmend in etablierten Demokratien an Macht und Einfluss gewinnen. Seligmann bedient sich dabei der Shakespeare-Formel „Verrückte führen Blinde“, womit die Gegensätzlichkeit zwischen den populistischen Brandstiftern auf der einen Seite und der orientierungslosen und nach politischer Sicherheit suchenden Bevölkerung auf der anderen Seite gemeint ist. Seligmann examiniert dabei in seinem Buch die fünf Biografien von Putin, Xi Jinping, Erdogan, Netanyahu und Trump, um aufzuzeigen, worin ihr Gefährdungspotential mit Blick auf Frieden, Freiheit und Demokratie in der politischen Gegenwart besteht. Seligmann hebt hervor, dass es sich bei allen oben genannten Politikern um Männer um oder über 70 Jahren handelt, „die offenbar das Bedürfnis haben, sich historisch zu verewigen“. Die entscheidende Parallele zwischen ihnen ist die enge Bindung zwischen den populistischen Brandstiftern und ihren Mitläufern, da sie es sind, die die Machtdurchsetzung der Brandstifter erst zementieren. Dies geschieht nicht im gesellschaftlichen Vakuum, sondern die sozioökonomischen Bedingungen sind besonders relevant, damit Brandstifter erfolgreich sein können. Entscheidend ist dabei, dass es sich um „Gesellschaften im Umbruch, mit einem Teil der Bevölkerung, der Angst hat vor diesem Umbruch“ handelt. Dies verdeutlicht der Autor am Beispiel der USA, die seit Jahren einen massiven wirtschaftlichen Wandel durchlaufen, mit dem flächendeckende Unsicherheit und Revisionsbestrebungen auf Seiten der Bevölkerung einhergehen. Seligmann setzt dem etwas entgegen. Dabei steht die Unabhängigkeit der verschiedenen politischen Institutionen im Vordergrund, die durch ein kollektives Bewusstsein der Bevölkerung mit den Werten der Demokratie und der Freiheit zu ergänzen sind. Gefordert wird eine konsequente Trennung von Staat und Religion, denn Religionen erheben aus ihrem Selbstverständnis einen Totalitätsanspruch. Etwas überraschend mutet das Plädoyer für ein Soziales Jahr sowie die allgemeine Wehrpflicht an. Begründet wird dies damit, dass Demokratien kein „Schlaraffenland“ seien und eben vom Dienst an der Gemeinschaft durch die Gemeinschaft durchweg profitieren. – Insgesamt ein wichtiges und lesenswertes Werk, das verdeutlicht, wie fragil unser Modell der liberalen Demokratie sein kann und wie Brandstifter in Diktaturen, aber eben auch in etablierten Demokratien an Macht und Einfluss gewinnen. Ein spannendes Narrativ, auch weil der Autor durch seine persönliche Biografie und seinen wissenschaftlichen Schwerpunkt besonders gut in der Lage ist, zu zeigen, wie wichtig es ist, sich für die Demokratie einzusetzen.

Daniel Trutwin

Daniel Trutwin

rezensiert für den Borromäusverein.

Brandstifter und ihre Mitläufer

Brandstifter und ihre Mitläufer

Rafael Seligmann
Herder (2024)

171 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 619062
ISBN 978-3-451-39607-6
9783451396076
ca. 18,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: So
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