Weißer Rauch und falsche Mönche

Intrigen, Bestechung, Einflussnahme der europäischen Staaten genauso wie das aufrichtige Ringen um den richtigen Papst für die jeweilige Gegenwart kennzeichnet die Geschichte der Papstwahlen. Stefan von Kempis erzählt sie von den ersten Jahrhunderten Weißer Rauch und falsche Mönche in Rom an bis zum Pontifikat von Franziskus, dessen Ende sich abzeichnete; aber von Kempis dürfte, als er sein Buch schrieb, kaum geahnt haben, dass es zu Beginn des nächsten Konklaves erscheinen würde. Er versteht es, die Geschichte der Papstwahlen spannend, mit sicherem Gefühl für Pointen zu erzählen. Erstaunlich, was man trotz Geheimhaltungsgeboten auch über die Papstwahlen in den letzten 75 Jahren erfährt, wie etwa über die Wahlen von Paul VI. oder Benedikt XVI. Das mag nicht alles neu sein, aber es ist richtig gut erzählt. Eine Lehre, die sich für den Autor aus den drei (und mit Blick auf das jüngste vier) Konklave ergibt, lässt sich so zusammenfassen: Die Experten, die diesem oder jenem Kardinal Chancen auf die Wahl zuschreiben, sonnen sich vor allem in der „Brillanz ihres Sonderwissens …; doch die Kardinäle … ticken anders.“ Einzig der etwas betulich wirkende Wir-Stil nervt. Davon abgesehen ein rundum empfehlenswertes, gut informiertes und informierendes Werk; empfehlenswert für größere Büchereien.

Christoph Holzapfel

Christoph Holzapfel

rezensiert für den Borromäusverein.

Weißer Rauch und falsche Mönche

Weißer Rauch und falsche Mönche

Stefan von Kempis
Herder (2025)

317 Seiten
fest geb.

MedienNr.: 622556
ISBN 978-3-451-39704-2
9783451397042
ca. 25,00 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Re
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