Warum sind immer die Juden schuld?
Antisemitismus oder der Hass auf Juden ist kein neues Phänomen, sondern reicht bis in die Antike zurück. Dies weist der Autor Simone Paganini anhand von Quellen aus dem Alten und Neuen Testament nach. Der Historiker erforscht somit die Wurzeln des
zunehmenden Antisemitismus in unserer heutigen Gesellschaft. So beispielsweise im zweiten Buch Mose (Exodus), in dem der ägyptische Pharao die jüdische Bevölkerung versklaven und ermorden will – ohne erkennbaren Grund. Dies stelle somit eine frühe literarische Verarbeitung eines grundlosen Judenhasses dar. Die kollektive Darstellung des Judentums als etwas anderes, deren Verfolgung durch Verschwörungstheorien gerechtfertigt wird, ziehe sich von der Antike bis heute. Dabei möchte der Professor für biblische Theologie an der RWTH Aachen keine Antwort auf den aktuell anwachsenden Antisemitismus vor dem Hintergrund des Krieges in Israel geben, sondern dessen Ursprünge klar benennen. Biblischer Antisemitismus, so Pagagnini, sei in der Vergangenheit oft beschönigend als Antijudaismus, also religiös bedingter Antisemitismus beschrieben worden. Dies sei aber falsch, da es nicht immer um den Konflikt zwischen Religionen gegangen sei. Auch wenn es dezidiert nicht um die moderne Form des Judenhasses in dem Buch geht, kann diese kurze, auf den Punkt gebrachte Abhandlung dennoch einen Reflektionsprozess bei Leser:innen in Gang setzen und ist bei der Auseinandersetzung mit dem aktuellen Antisemitismus ein guter Grundstein für weiterführende Recherchen. Obwohl Bewusstseinsbildung zum Antisemitismus nun wirklich Not tut, ist dieses Buch aufgrund von Sprache und Argumentation eher für theologisch versiertere Leser:innen und größere Bestände geeignet.
Sebastian Heuft
rezensiert für den Borromäusverein.
Warum sind immer die Juden schuld?
Simone Paganini
Herder (2025)
176 Seiten
fest geb.