Urworte des Evangeliums
Bei diesem Buch ist es sinnvoll, das Nachwort zuerst zu lesen. Hier erzählt Mitherausgeberin Christiana Reemts von der Entstehungsgeschichte des Projektes im Kloster Mariendonk und der Intention der Beteiligten hinter den „Urworten“: die Kernidentität
der Kirche zu bestimmen, um sie zu ihrer „ursprünglichen Größe und Schönheit“ zurück zu führen. Dies wird in den Kapiteln zu den entsprechenden Stichworten – z.B. „Jesus“, „Liebe“, „Anbetung“ oder „Schrift“ – dann näher erläutert. Die Beiträge spiegeln recht stark den jeweiligen persönlichen Ansatz des/der Autor/in: während einige sachlich-reflektiert und flüssig ihre Gedanken darlegen, schreiben andere eher biografisch-anekdotisch und „charismatisch“, wieder andere versammeln steinbruchartig Zitate von Päpsten und Kirchenvätern oder gefallen sich in einer antimodernistischen Polemik gegen die „Mainstream Kirche“. Die - auch sprachlich - schwierigsten Teile des Buches sind das Vorwort und die Einführung, in denen hochgradig komplexe dogmatisch-mystagogische Bilder wie das von der „Mutter Kirche, die Christus in uns zum Leben Christi gebiert“ (S. 11) einfach assoziativ eingeworfen und dann unkommentiert stehen gelassen werden. Da wäre es besser gewesen, das Nachwort zum Vorwort zu machen … Insgesamt richtet sich „Urworte“ an ein Publikum, das sich nach charismatischer Erneuerung, „heiliger Autorität“ und einem Gesundschrumpfen der Katholischen Kirche sehnt und dabei auf althergebrachte Antworten setzt. Reaktionär, anti-intellektuell und teilweise fundamentalistisch angehaucht - daher nicht empfehlenswert.
Vanessa Görtz-Meiners
rezensiert für den Borromäusverein.
Urworte des Evangeliums
Martin Brüske, Bernhard Meuser, Christiana Reemts (Hrsg.)
Herder (2025)
272 Seiten
kt.