Der Code des Bösen
Was ist eigentlich ein Sprachprofiler? Der Autor ist weltweit führend in diesem Teilbereich der modernen kriminalistischen Untersuchungsmethoden. Er klärt Verbrechen auf, indem er Schriftstücke und Sprachnachrichten auf sprachliche Besonderheiten
untersucht und so den Urheber bestimmt. Raimund H. Drommel war ursprünglich als Sprachwissenschaftler tätig. Als ihm ein Polizeichef einen anonymen Brief zeigt, mit dem er beim Innenministerium verleumdet worden war, beschäftigt er sich damit, Methoden ausfindig zu machen, wie man den Urheber ermitteln könnte. Wohlgemerkt, es geht hier nicht um einen Handschriftenvergleich, sondern um personenbezogene Eigenheiten in der Sprache eines Menschen. Mittlerweile hat er Erpresser- und Bekennerschreiben analysiert, Drohbriefe, Tagebücher oder auch Abschiedsbriefe untersucht. Dies hat er nicht nur für Polizei und Gerichte gemacht, sondern auch im Auftrag von Unternehmen und Privatleuten. Spektakulär war, wie er die Codes der RAF dechiffrierte, um so die Kommunikation der in Stammheim inhaftierten Mitglieder verstehen zu können. Der Autor weist auch darauf hin, dass er in einer ganzen Reihe von Fällen zur Vertraulichkeit verpflichtet ist. Trotzdem, die vielen Fälle, die im Buch veröffentlicht werden, sind z.T. so spannend erzählt, dass sie aus einem Kriminalroman stammen könnten. Natürlich wird dabei immer wieder die sachliche Seite des Sprachprofilings vorgestellt und erarbeitet. So bekommt der Leser ein Grundwissen über diese kaum bekannte Teildisziplin der Kriminalistik, wird aber auch auf spannende Ermittlungen in interessanten Kriminalfällen mitgenommen. Das Buch kann jeder Bücherei empfohlen werden.
Gerd Fleder
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Code des Bösen
Raimund H. Drommel
Heyne (2011)
301 S. : Ill., graph. Darst.
fest geb.