Ein Spaziergang war es nicht

Söhne und Töchter von Schriftstellern und Künstlern erzählen von ihren Erinnerungen an die 70er und 80er Jahre, als sie mit ihren Eltern aus der DDR in die Bundesrepublik kamen. Nur einmal geht es dabei um Flucht. In mehreren Fällen hängt die Ein Spaziergang war es nicht Ausreise mit der Ausbürgerung des bekannten Liedermachers Wolf Biermann zusammen. Oft hatte das Verlassen der DDR eine längere Trennung der Kinder von ihren Eltern zur Folge. Beim Lesen dieser Erlebnisberichte fällt auf, dass die Scheidung der Eltern bald nach dem Umzug geradezu die Regel war. Überraschend ist: Die Kinder hatten, anders als die Eltern, alle die Möglichkeit, ganz legal zu Besuchen in die DDR einzureisen, um ihre Großeltern oder Schulfreunde zu besuchen. Einige Berichte basieren, was die Zeit in der DDR betrifft, auf den Erzählungen der Eltern, weil die Kinder für bleibende Erinnerungen noch zu klein waren, oder auf Ferienaufenthalten in der alten Heimat. Unterschiedlich ist bei den Erinnerungen die Haltung gegenüber dem System und dem Alltagsleben, aus dem man kam, und auch, inwieweit abgesehen von der durchwegs begrüßten Freiheit das Leben in der Bundesrepublik mehr oder weniger positiv gesehen wurde und wird. - Eine lesenswerte Lektüre zum erlebten und erlittenen deutsch-deutschen Alltagsleben.

Hans Niedermayer

Hans Niedermayer

rezensiert für den Sankt Michaelsbund.

Ein Spaziergang war es nicht

Ein Spaziergang war es nicht

hrsg. von Anna Schädlich ...
Heyne (2012)

317 S. : Ill.
fest geb.

MedienNr.: 362162
ISBN 978-3-453-20008-1
9783453200081
ca. 19,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Bi, Ge
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