Tochter des Regenwaldes
Nemonte Nenquimo aus Ecuador ist Angehörige des Volkes der Waorani (dass in der deutschen Übersetzung das längst verpönte Wort "Stamm" auftaucht, vor allem bei dem gesellschaftspolitisch kritischen Inhalt des Buches, ist unverständlich). Als Kind
wuchs sie in der Kultur ihrer Ethnie auf, kam dann aber als Jugendliche in den Kontakt mit der "weißen" Kultur. Als junge Erwachsene erfährt sie, wie Ölkonzerne in das Lebensgebiet ihres Volkes dringen und dessen Lebensraum auf der Suche nach verwertbaren Ressourcen schonungslos zerstören. Nemonte beschließt, sich für die Rechte ihres und der anderen indigenen Völker der Region einzusetzen. Sie wird von ihrem Volk zur Präsidentin gewählt und kämpft um Selbstbestimmung und Wiedergutmachung. 2019 gelingt es ihr und ihren Mitstreitern, einen Prozess gegen die Ölkonzerne zu gewinnen und mehr als 200.000 Hektar Regenwald zu retten und somit einen Präzedenzfall für weitere Prozesse dieser Art in Mittel- und Südamerika zu schaffen. In ihrem Buch beschreiben sie und der Co-Autor, ihr Ehemann, wie sie zunächst die Welt der Weißen kennenlernte, dann zu ihrem Volk zurückkehrte, um sich auf die alte Kultur und ihre Traditionen zu besinnen. Und wie sie dann beschloss, den aussichtslos scheinenden Kampf gegen den Goliath der Konzerne aufzunehmen, die dabei sind, aus egoistischen Interessen den Regenwald für immer zu zerstören – um schließlich einen für ihr Volk und die anderen indigenen Kulturen historischen Sieg zu erringen. Dieses Buch liest sich nicht nur Seite für Seite spannend und informativ. Es macht auch nachdenklich und betroffen, mehr als es jede nüchterne Dokumentation könnte. Und es hilft dabei, die Welt derer zu verstehen – und eventuell zu unterstützen –, die in ihren völlig legalen Belangen von der Welt meist nicht wahrgenommen werden. Schon für junge Erwachsene ab etwa 16 Jahren geeignet, ist das Buch allen Büchereien nachdrücklich empfohlen!
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Tochter des Regenwaldes
Nemonte Nenquimo, Mitch Anderson ; aus dem amerikanischen Englisch von Elisabeth Schmalen und Katharina Uhlig
Heyne (2024)
400, [8] Seiten : Illustrationen (farbig)
fest geb.