Wenn morgen bei uns Krieg wäre
Lebensnah und damit vorstellbar möchte das auf zeitgeschichtliche Themen spezialisierte Autorenpaar den Titel ihres neuen Buchs ausleuchten. Dazu wählen sie das Szenario eines von Russland initiierten bewaffneten Konflikts mit europäischen NATO-Staaten
in naher Zukunft. Strategische Überlegungen und nähere politische Vorbedingungen bleiben ebenso außen vor wie eine nuklear geführte Eskalation. Cyberattacken, Drohnenangriffe und verdeckte Operationen zum Schaden von Infrastruktur und Zivilgesellschaft bilden den Kern des angenommenen Konflikts. Bedrohlich realistisch wirkt dieser imaginierte Kriegsalltag. Die Autoren haben sich tief in die militärischen und zivilschutzrelevanten Strukturen Deutschlands eingearbeitet, lassen zudem Experten aus den einzelnen Fachgebieten zu Wort kommen. Hier liegen die Stärken des Werks. Im Stil gängiger Wochenmagazine werden allerdings auch nebensächliche Details mit Persönlichem, nüchterne Analysen mit emotionalen Einschätzungen vermengt. Das dürfte je nach Gusto des Lesers als spannend und informativ oder aber als suggestiv und effektheischend empfunden werden. Eine nüchternere Sprache und weniger journalistisches Chichi wären dem Ernst des Themas aber angemessen. Dennoch ein Debattenbeitrag, der gerade die junge und mittlere Generation an das Durchdenken des Ernstfalls heranführen kann. – Überlegenswert als Bestandteil eines Angebots zur "Zeitenwende".
Werner Wagner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wenn morgen bei uns Krieg wäre
Hauke Friederichs, Rüdiger Barth
Heyne (2025)
335 Seiten
fest geb.