Das Lied des Waldes
Die Werbeagenturangestellte Veronika ist die Tochter eines Försters aus dem Nürnberger Reichswald. Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt sie ins elterliche "Forsthaus" zurück, um es mit seinem großen Waldbesitz zu verkaufen. Ein Biobauer, der Anteile
an einem Holzverarbeitungsbetrieb hat, erwirbt Haus und Wald. Er will das Gelände zur Papierholzgewinnung nutzen. Während ihres Aufenthalts im leeren Elternhaus findet Veronika die Fragmente eines Romans über Anna Vorchtel, den sie als Jugendliche zu schreiben begonnen hat. Anna ist die Tochter des Nürnberger Patriziers Ulmann Stromer, der die erste Hadernmühle zur Papierherstellung in Süddeutschland einrichtete und dessen Familie eng verbunden ist mit der Wiederaufforstung von Kahlschlägen durch Samenaussaat. Die Autorin bindet sie in die Gegenwartsgeschichte ein. Wegen einer 500-jährigen Eiche kommen, als sie vom Verkauf Wind bekommen haben, junge Waldbesetzer in Veronikas Eigentum und richten sich dort mit Baumhütten auf längeres Bleiben ein. Es kommt zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung und Räumung. Im Hintergrund spielt Martin mit, der einst als junger Forstgehilfe mit Veronika befreundet war. - Die Autorin hat eine hochemotionale Bindung an den Wald und viel Fantasie, lässt aber wenig fachliches Wissen erkennen. So lässt sie z.B. frisch gesäte Jungföhren in den wenigen Jahren zwischen Annas Verlobung und der Geburt ihres ersten Kindes haushoch bis in die typische Altersform wachsen. Gelungen ist dagegen die gedankliche Verbindung mit der ersten Hadernmühle, denn wegen Lumpenmangels wurde bald auf Holzschliff als Papiergrundmaterial umgestellt und bis heute wird ein beträchtlicher Teil von Schwachholz dafür verwendet. Nur eingeschränkt lesenswert.
Pauline Lindner
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Das Lied des Waldes
Klara Jahn
Heyne (2022)
383 Seiten
fest geb.