The Devils
Rom in einer wahrhaft apokalyptisch anmutigen Zeit (man weiß nicht: Ist es Mittelalter, eine chaotische Vorzeit oder eine noch chaotischere Zukunft?), auf dem Papstthron sitzt eine Frau. Böse Elfen, Teufel und Ungeheuer bedrohen die Menschen. Die
west-römische Welt hat nur die Chance, zu überleben, wenn sie sich wieder mit dem Osten verbindet, der Regierung von Troja in Kleinasien. Doch dort gibt es Thronstreitigkeiten. Ausgerechnet die junge, nicht sehr integre Alexa soll es sein, die sich gegen ihre bösen Cousins durchsetzen und den Thron sichern soll. Eine Gruppe mehr als ungewöhnlicher Kumpane soll sie auf der gefährlichen Reise beschützen: Ein abgehalfterter Kreuzritter, ein Geisterbeschwörer, ein obskurer Mönch, eine furchtlose Abenteurerin, ein Vampir, eine Elfe und sogar eine Werwölfin stehen ihr zur Seite und erleben die skurrilsten, spannendsten, widersinnigsten Abenteuer. – An Joe Abercrombie scheitern sich die Geister: So mancher Fantasy-Fan kann mit seiner Art, mit viel Humor und Ironie das Fantasy-Genre nicht nur zu befeuern, sondern gleichzeitig zu konterkarieren, nichts anfangen. In der Tat lässt der Autor kein Klischee aus, ist in seinen Schilderungen drastisch, manchmal schwülstig, pointiert, ausschweifend. Ja, man könnte meinen, er übe in seinem literarischen 840-Seiten-Brocken durchaus Gesellschaftskritik. Bisweilen trägt er etwas zu dick auf, wird dann wieder langweilig, weil sich viele Episoden doch ähneln, manchmal muss man sich wieder durch die Seiten quälen, um dann über eine überragende Pointe zu schmunzeln. Doch dieser Stil ist es, den Abercrombie-Fans mögen und weswegen er eine so große Fangemeinde hat. So ist sein Buch, das den Auftakt einer Trilogie bildet, das gefundene Fressen für alle Fans handfester Fantasy mit allem Brimborium, das dazu gehört – und einem langen Leseatem.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
The Devils
Joe Abercrombie ; aus dem Englischen von Kirsten Borchardt
Heyne (2025)
845 Seiten
fest geb.