Die Zuckerlüge
Zucker sei Ursache aller Zivilisationserkrankungen, mahnen einige Ärzte und Ernährungsberater. Alles Unfug, behaupten die Autoren dieses Buches. Den von ihnen als Angstmacher diffamierten Zuckergegnern unterstellen sie rein wirtschaftliche Interessen,
nämlich den Verkauf ihrer Produkte. Zu Recht prangern sie die Flut von Publikationen an, die mit der Angst der Menschen Geld verdienen möchten, Halb- und Unwahrheiten verbreiten und den Verbraucher verunsichern. Leider reihen sich die beiden in diese Phalanx ein. Unbekümmert differenzieren sie nicht zwischen lebensnotwendigem Blutzucker, Kohlenhydraten allgemein und eben jenem Haushaltszucker. Zwar gehört Zucker zu den Kohlenhydraten, aber fast alle Experten bewerten Zucker anders als stärkehaltige Lebensmittel. Irgendwie werfen die Autoren die Weltmarktlage in die Diskussion, liefern aber damit eher Argumente gegen Zuckeranbau (S. 165 ff). Natürlich sollte man die Zuckerdiskussion unaufgeregt führen und sich nicht von geifernden Ernährungsaposteln verunsichern lassen. Gleichzeitig enthält dieses Buch ebenso geifernde Passagen (S. 184, S. 190 bis Ende), die den Zuckergegnern grundsätzlich Genussfeindlichkeit unterstellen. Zwischen einigen Fakten ist das Buch randvoll mit Polemik und Widersprüchen bestückt. Besonders "nett" ist das Zitat von Udo Pollmer, übrigens Lebensmittelchemiker von Beruf und selbst ernannter Ernährungsexperte, deren Aussagen die Autoren sonst gerne als unseriös abtun: "Wer weniger als 6 Teelöffel Zucker pro Tag empfiehlt, der sollte seinen Blutzuckerspiegel untersuchen lassen - vielleicht ist das Oberstübchen mit diesem wichtigen Treibstoff bereits unterversorgt und halluziniert." (S. 209) - Das Buch würde sicher Interessenten in den Büchereien finden. Aber inhaltlich ist es höchst fragwürdig, unseriös und daher nicht empfehlenswert.
Lotte Schüler
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Zuckerlüge
Detlef Brendel ; Sven-David Müller
Ludwig (2016)
249 S.
kt.