Geliebter Mörder

Der Schock sitzt tief: Nach ein paar Monaten eröffnet der Freund der Ich-Erzählerin, dass er ein verurteilter Mörder ist. Nachdem er in einer psychischen Ausnahmesituation seine Jugendliebe umgebracht hat, ist er zu 12 Jahren Haft verurteilt worden, Geliebter Mörder von denen er sieben Jahre abgesessen hat. Kristin ist entsetzt, verwirrt und zutiefst verunsichert. Da ist dieser liebenswürdige charmante, überaus sympathische Mann, auf der anderen Seite die Vorstellung, dass dieser Mann seine Ex-Freundin niedergeschlagen und erwürgt hat. Dieses Wissen beeinflusst alle Bereiche der Beziehung. Kristin weiß lange nicht, wie sie damit umgehen soll. Sie beschäftigt sich intensiv mit der Tat und den Tatumständen, setzt sich mit dem Prozess und der Verurteilung auseinander. Sie macht es sich dabei nicht leicht, will das Verbrechen nicht beschönigen. Doch trotz aller Verunsicherung und Angst lernt sie mit dem Widerspruch zu leben und ist überzeugt, dass ihr Freund eine Chance auf ein normales Leben verdient. - Ein kurzer Hinweis vorn im Buch auf die fiktiven Anteile der Geschichte lässt schwer einschätzen, wie weit die Geschichte tatsächlich wahr ist und in welchem Maße künstlerische Gestaltung. Der Untertitel und ein Interview in der FAS vom 16.6.2013 deuten jedoch darauf hin, dass - von einigen verfremdeten Details abgesehen - die Autorin diese Geschichte so erlebt hat und erlebt. Der Bericht liest sich spannend und überzeugend, die Gedankengänge und Überlegungen, die Schwierigkeiten und Nöte der Erzählerin sind sehr gut nachvollziehbar. - Ein wichtiges Buch insofern, als der Leser angeregt wird, seine generelle Haltung gegenüber Straftätern zu überdenken.

Ulrike Braeckevelt

Ulrike Braeckevelt

rezensiert für den Borromäusverein.

Geliebter Mörder

Geliebter Mörder

Kristin Ganzwohl
Diana-Verl. (2013)

286 S.
fest geb.

MedienNr.: 377115
ISBN 978-3-453-28539-2
9783453285392
ca. 17,99 € Preis ohne Gewähr
Systematik: Bi
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