Die geflohene Geschichte
Kapitolo ist eine Stadt voller Schriftsteller, die etwas Besonderes ist: Denn hier entkommen immer wieder Figuren aus Romanen und Geschichten von Autorinnen und Autoren, treten als reale Figuren ins normale Leben über - und verüben ab und zu auch
Verbrechen, für die ihre Schöpferinnen und Schöpfer dann von einer eigenen polizeilichen Behörde zur Rechenschaft gezogen werden. So geschieht es auch der Autorin Kate Kowalski: Eine ihrer Figuren verübt einen Mord. Kate versucht nun mithilfe zweier Freunde und einer ihrer Romanfiguren, die ebenfalls real geworden ist, den Täter zu finden, um ihre Unschuld zu beweisen. Doch dann begeht eine weitere ihrer Figuren einen Mord, und Kate muss in den Untergrund. Und je näher sie den Tätern kommt, desto mehr merkt sie, dass alles mit einem tragischen Geschehen in ihrer Jugend zu tun hat. Und diesem Geschehen muss Kate sich endlich stellen. - Kowalskis Roman ist ebenso spannend wie erzählerisch gekonnt gestaltet, denn die Realität wird von ihr geschickt mit der Fiktion verwoben. So ist sie selbst in ihrer Geschichte ihre eigene Protagonistin, und irgendwann weiß auch der Leser und die Leserin nicht mehr, ob er noch in der Geschichte steckt oder schon "in der Geschichte in der Geschichte". - Ein außergewöhnlicher Roman, der neben einer spannenden Story auch Einiges zum Nachdenken gibt über die Rolle und gesellschaftlichen Aufgabe von Schriftstellern. Sehr zu empfehlen.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die geflohene Geschichte
Kate Kowalski
Wilhelm Heyne Verlag (2023)
416 Seiten
kt.