Der Angriff
Ausgehend von ersten beunruhigenden Nachrichten von CNN über den russischen Angriff auf die Ukraine beschreibt Serhii Plokhy, Prof. für ukrainische Geschichte in Harvard, detailliert in 19 Kapiteln und mit persönlichen Erlebnissen und Schicksalsschlägen
immer wieder veranschaulicht, Beginn und Verlauf des Kriegs. Niemand – auch nicht Präsident Selenskyj – wollte anfangs glauben, dass Russland eine groß angelegte Invasion tatsächlich durchführen würde. Denn es gab vielerlei Kontakte auch zu Putin, ebenso Gespräche, Verhandlungen und Beschwichtigungen. Was mit einer auf ein paar Tage angelegten „Militäroperation“ begann, wurde zum größten konventionellen Krieg in Europa seit 1945, kostete zahllosen Menschen das Leben und löste die größte Flüchtlingskrise in Europa seit Ende des Zweiten Weltkrieges aus. Eskalierend kamen Drohungen über den Einsatz von Atomwaffen hinzu. Der Autor beschäftigt sich mit der Frage, was einen solchen Aggressionskrieg ermöglichte und wie die Ukrainer solch patriotischen Widerstand leisteten. Wie verändert dieser Krieg die Ukraine, Russland, Europa und die ganze Welt? - Plokhy mahnt uns alle dringend, „aus der Geschichte zu lernen, indem wir die aktuellen Ereignisse in ihrem historischen sowie geopolitischen Kontext stellen.“ Russland zeigt sich als expansionistische imperialistische Großmacht – für die Ukraine ist es vor allem ein Unabhängigkeitskrieg. Düsteres Fazit: Die friedvolle Phase seit dem Fall der Mauer ist vorbei und mündet möglicherweise weltweit in eine neue Ära des Kalten Krieges. Das Buch hilft, den Krieg besser zu verstehen. Diverse Zitate, die aus beiden Kriegsparteien stammen, Ansprachen, Dokumente von Geheimdiensten und Abhöraktionen untermauern die jeweilige Sichtweise.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Der Angriff
Serhii Plokhy ; aus dem Englischen von Bernhard Jendricke und [einem weiteren]
Hoffmann und Campe (2023)
493 Seiten : Karten
fest geb.