Ich geh jetzt los und bring mich um
He Hanquin ist eine in die Jahre gekommene Chinesin, die es nicht leicht hat in ihrem Leben: Sie führt ihren Haushalt, in dem ihr Mann, ihre Schwiegereltern und ihre junge Schwägerin leben, mit Akribie, ist Mädchen für alles und den selbstsüchtigen
Tücken ihrer Familie schonungslos ausgeliefert: Nicht einmal für den Ganz zur Toilette lässt man der mit einem Darmleiden geplagten Frau Zeit. Irgendwann hat sie genug davon, als billige und willige Haussklavin gehalten zu werden: Sie büxt aus, weil sie sich umbringen will – für sie der einzige Weg, ihre Freiheit zu erlangen. Aber auch hier wird sie nicht in Ruhe gelassen: Sie rettet einer lebensmüden Nachbarin das Leben und wird schließlich von ihrem Mann aufgespürt. Am Ende erkennt sie für sich, das Sterben keine Lösung ist, sondern dass man sich seinem Schicksal stellen muss. – Autorin Fang Fang, in China eine renommierte Schriftstellerin, schreibt ihren kleinen Roman, eine literarische Tragikomödie, mit viel Empathie, einer großen Portion Ironie und einem leisen Humor, was den Leser immer wieder zum Schmunzeln bringt, aber auch zum Nachdenken – über das Leben und was es vom Einzelnen erwartet. Sehr lesenswert.
Günter Bielemeier
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Ich geh jetzt los und bring mich um
Fang Fang ; aus dem Chinesischen von Karin Betz
Hoffmann und Campe (2026)
156 Seiten
fest geb.