Hinter dem Mond
Lilly ist neun Jahre alt, als ihre Eltern mit ihr Ende der 1970er Jahre von Ostfriesland nach Teheran in die Heimat des Vaters übersiedeln. Lilly ist das verwöhnte Kind wohlhabender Eltern, sie ist verzogen, jähzornig und hat eine starke, ausgeprägte
Persönlichkeit mit großem Freiheitsdrang. Da sind Konflikte vorprogrammiert. In Teheran ändert sich ihr Leben von Grund auf. Lilly kann die Sprache nicht verstehen und nicht sprechen, hadert mit der persischen Mentalität und ist nicht bereit, sich anzupassen. Ihre Eltern stehen Lilly, ihren Wünschen und ihrem Temperament teils teilnahmslos, teils ablehnend und verletzend gegenüber. Es gibt physische Übergriffe durch den Vater und Gehässigkeiten der Mutter. Neben den persönlichen Vorkommnissen, die Lilly beschäftigen, ändern sich auch die Machtverhältnisse im Iran, der Schah flieht und die neuen Sittenwächter erschweren zusätzlich Lillys Streben nach Freiheit. Wie viele akademische Familien beschließt auch Lillys Familie letztlich, wieder nach Deutschland zurückzukehren. Floriane Kleinpaß leiht der temperamentvollen, eigenwilligen Lilly perfekt ihre Stimme und ist auch in der Lage, die vielen persischen Worte eindrucksvoll zu intonieren. Eine bemerkenswerte Lesung, die allen Hörbuchabteilungen gerne empfohlen werden kann. Eine Fortsetzung ist geplant.
Gabriele Güterbock-Rottkord
rezensiert für den Borromäusverein.
Hinter dem Mond
Wäis Kiani. Mit Floriane Kleinpaß
Hoffmann und Campe (2012)
6 CD (ca. 445 Min.)
CD