Schandweib
Hinrich Wrangel hat in Halle Juristerei studiert und tritt nun in Hamburg seine Stelle als Prokurator an. Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit wird ihm der Fall der Ilsabe Bunk zugeteilt, die vom Prätor Wilkens des Mordes an einer Frau beschuldigt wird.
Wrangel, der nur langsam eine Ahnung bekommt von den verworrenen Intrigen der Mitglieder des Gerichtes, des Rates und der wichtigsten Bürger der Stadt, wird aus der Gefangenen nicht schlau, die störrisch und schweigsam alles über sich ergehen lässt. Erst allmählich gewinnt Wrangel ihr Vertrauen und erfährt Einzelheiten über ihr Schicksal. Die Eltern früh verstorben, läuft das Kind - bei Verwandten und Dienstherren ausgenutzt und sexuell bedrängt - irgendwann davon und schlägt sich als Mann verkleidet durch. Ihre Verstrickung in den Handel mit Arzneien aus menschlichen Bestandteilen führt irgendwann dazu, dass sie als willkommenes Opfer eines verbrecherischen Ratsherren herhalten muss. Wrangel ahnt, dass Bunk die Frau nicht getötet hat, und sucht nach Beweisen für ihre Unschuld. Das ist aber gar nicht im Sinne des Prätors, der sich kurz vor Ende seiner Amtszeit mit der Lösung eines aufsehenerregenden Falles profilieren will ... - Die Autorin, studierte Historikerin, hat mit diesem Roman ihre profunde Kenntnis der politischen und gesellschaftlichen Zustände in Hamburg um 1700 bewiesen. Die spannende Geschichte ist in drastischem Realismus erzählt, was sehr empfindsame Leser gelegentlich stören könnte. Trotzdem ist das Buch aber sehr empfehlenswert und wird sicher überwiegend gut ankommen.
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Schandweib
Claudia Weiss
Hoffmann und Campe (2011)
510 S. : Kt.
fest geb.