Ideale
Die Geburt ihres ersten Sohnes ist für die junge Nachwuchsjournalistin (vgl. "Deutschland dritter Klasse", s. BP/mp 09/539) Anlass, nach Orientierung und Menschen mit Idealen zu suchen. Gut vorbereitet, selbstreflektiv und mit viel Empathie sucht
sie das Gespräch mit zwölf unterschiedlichen, bekannten und unbekannten Personen, die sich oder die von anderen zumindest früher einmal als Idealisten gesehen wurden. Ernüchtert stellt sie fest, dass sie bei ihrer Sinnsuche unter Politikern kaum weiterkommt. Der Pragmatismus und die Anpassung vieler Jugendlicher erschrecken sie. Leistungsträger aus der Finanzwirtschaft, die sich gerne als Elite stilisieren, werden zu Recht kritisch hinterfragt. Manche Idealisten mutieren durch ihre unbedingte Konsequenz zu Ideologen, die um der Sache willen ihre Mitmenschen aus dem Blick verlieren. Einzelne Idealisten findet sie in helfenden Berufen und unter wachen Intellektuellen wie Günter Grass, dessen pragmatische Utopie Sympathien weckt. Eine spannende und unterhaltsame Reportagereise, die sehr zu empfehlen ist.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Ideale
Julia Friedrichs
Hoffmann und Campe (2011)
270 S.
fest geb.