Der Mann, der Shakespeare erfand
Seit zwei Jahrhunderten fragt man sich, ob der Mann aus Stratford-upon-Avon wirklich die großartigen Dramen und Sonette verfasst haben kann. Kurt Kreiler greift eine ältere These auf, nach der Edward de Vere, Earl of Oxford, sich hinter dem Namen
des Schauspielers und Geldverleihers William Shakespeare verbirgt. Dem Philologen Kreiler gelingt es, durch gewissenhafte Neubetrachtung verschiedener Texte Indizien für die These zu sammeln, der Adelige habe aus Standesrücksichten seine Werke nicht veröffentlichen können und deshalb einen Strohmann oder ein Pseudonym gebraucht. Damit gewinnt das fast 600 Seiten starke Buch beinahe den Charakter eines Detektivromans, der allerdings mit seiner Materialfülle Geduld vom Leser verlangt. Kreiler zieht mit reichem Detailwissen viele literarische Querverbindungen, Anspielungen und Umarbeitungen heran, die nur einem vielseitig gebildeten Menschen gelingen können; ein solcher ist der Mann aus Stratford aber nicht gewesen. Die Vertrautheit mit dem Leben am Hof und die Erfahrung in italienischer und französischer Lebensart lassen nur auf einen weltgewandten Adeligen schließen. Kreilers Argumentation ist bestechend. In der Mitte des Buches finden sich Porträts der wichtigen damaligen Persönlichkeiten. - Für literarisch und historisch interessierte Leser/innen.
Bernhard Grabmeyer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Der Mann, der Shakespeare erfand
Kurt Kreiler
Insel-Verl. (2009)
595, [16] S. : Ill. (überw. farb.)
fest geb.