Das Papierhaus
Carlos Brauer, ein obsessiver Bibliomane, lebt sich so intensiv in die Welt seiner Tausenden von Büchern und ihrer Autoren ein, dass sich endlich sein Geist verwirrt. Er katalogisiert seine kostbaren Bestände nicht nach Alphabet, Epoche oder Genres
sondern danach, ob und wie die Autoren, wenn sie denn lebten, zueinander passten und wie sie miteinander kommunizieren würden. Sein eigenwilliger und einzigartiger Katalog des "riesigen offen liegenden Gehirns" (S. 18) geht bei einem Brand verloren. Carlos Brauer hat mit seinem Katalog den Schlüssel zu seiner eigentlichen geistigen Heimat verloren. In verzweifelter Orientierungslosigkeit lässt er seine kostbaren Bücher, die er nun ihrer eigentlichen Funktion beraubt sieht, an Stelle von Backsteinen mit Mörtel und Zement zu einem realen Haus verbauen. Als eine ehemalige Kollegin ihn um Rückgabe eines der verbauten Bücher bittet, zerstört er in seinem Furor - auf der Suche nach dem verschollenen Exemplar - das "Papierhaus" mit eigener Hand. Dieser Kern der Geschichte ist in eine sorgfältig komponierte spannende Rahmenhandlung eingewoben. - Eine fesselnd erzählte kleine Novelle über die mysteriöse Wirkungsmacht von Literatur! Bibliophile Leser möchte man fast vor diesem schmalen Buch des bekannten lateinamerikanischen Autors (Originalausgabe 2002) warnen, so düster und pessimistisch ist letztlich ihr Blick auf die Literatur und ihre Funktion. (Übers.: Elisabeth Müller)
Das Papierhaus
Carlos María Domínguez
Insel-Verl. (2014)
87 S. : Ill., Kt.
fest geb.