Die unsichtbare Meile
Das Ravat-Wunder-Team von 1928, fünf Radrennfahrer aus Neuseeland und Australien, war die erste englischsprachige Mannschaft, die die Tour de France bestritt. Die fünf Fahrer glichen die Strapazen dieser Tour zum Teil durch Kokain oder Opium aus,
und die Leser erleben hautnah Siege und Niederlagen. Man traute dem Team nicht zu, dass es das Ziel erreichen würde, aber von Etappe zu Etappe wurde die Zahl der Franzosen, die begeistert die Namen der Mitglieder dieser Mannschaft riefen, immer größer. Schlussendlich erreichten alle fünf das Ziel in Paris. Dem Team hinzugefügt ist ein fiktiver Erzähler, der die Geschichte aus der Sicht eines teilnehmenden Fahrers beschreibt. Parallel dazu spielt die Vergangenheit seiner Familie immer stärker herein. Sein Bruder war im Ersten Weltkrieg ein Kampfpilot, der unter seinen Erlebnissen in Frankreich leidet, seine Schwester ist gestorben, und die selbst auferlegte Ausdauerprüfung bringt ihn langsam und schmerzhaft zu der unsichtbaren Meile, wo seine Erinnerungen schließlich mit der Vergangenheit kollidieren. - Je näher der Roman dem Ende zustrebt, desto mehr gleiten die Erzählungen ins Psychologische ab und der sportliche Anteil wird immer geringer. Das Buch wird die Leser zwiegespalten zurücklassen: Für die einen ist das Buch viel zu psychologisch und impressionistisch. Für die anderen ist es vielleicht gerade dieser Aspekt, der für sie das Buch wertvoll macht. (Übers.: Volker Oldenburg)
Gerd Fleder
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die unsichtbare Meile
David Coventry
Insel-Verl. (2017)
365 S.
fest geb.