Wo die Asche blüht
Die zumeist ungewollten Kinder von US-amerikanischen Soldaten mit vietnamesischen Frauen im Vietnam-Krieg haben es sehr oft schwer, vor allem, wenn der Vater ein Farbiger ist. Phong ist so ein Junge, der von der Mutter als Säugling heimlich in einem
Waisenhaus abgegeben wurde. Die katholischen Nonnen behandeln ihn gut, aber als er sich nach einer gewissen Zeit allein durchschlagen muss, trifft ihn die Verachtung seiner Umwelt. Er gerät auf die schiefe Bahn, landet im Gefängnis. Trotz aller Widrigkeiten schafft er es mit Fleiß und Beharrlichkeit, sich eine bescheidene Existenz aufzubauen. Aber er will auch Jahrzehnte nach dem Krieg in die USA und seinen Vater finden. Und da sind die beiden Schwestern Trang und Quynh, 19 und 17 Jahre alt, die sich auf den Reisfeldern ihrer verarmten Eltern abrackern. Diese sind von einem Geldverleiher betrogen worden und müssen die Schulden abbezahlen. Die Töchter werden von einer Freundin in eine Bar in Saigon vermittelt, sie werden Prostituierte. Trang, die sich in der Bar Kim nennt, lernt den 20-jährigen Kriegshubschrauberpiloten Dan kennen. Sie verlieben sich, Trang wird schwanger, aber Dan verlässt sie, kehrt in die USA zurück, wo seine Verlobte Linda auf ihn wartet. Das alles geschieht in den Jahren 1968 bis 1970. Dan leidet an PTBS, und Linda organisiert 2016 eine Reise nach Vietnam, damit ihr Mann vor Ort sein Trauma aufarbeiten kann. Dan sucht dann aber gleich nach Kim und seinem Kind. Dieses Kind ist aber nicht Phong, der einen schwarzen Vater hat. Phong und Dan treffen jedoch aufeinander. - Die Geschichte spielt abwechselnd in Kriegszeiten und dann ab 2016. Die Schilderungen sind sehr realistisch und nachvollziehbar. Die Liebesbeziehung zwischen Kim und Dan wird sehr intensiv, gelegentlich ausufernd erzählt. Zu den politischen Hintergründen hätte man sich mehr gewünscht. Insgesamt jedoch ein beeindruckender, auch spannender Roman. Das Buch ist bestens einsetzbar.
Erwin Wieser
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Wo die Asche blüht
Nguyen Phan Que Mai ; aus dem Englischen von Claudia Feldmann
Insel Verlag (2024)
443 Seiten
fest geb.