Die Jagd auf das chinesische Phantom
Die USA haben weltweit ein Verbot der Lieferung waffentechnischer Güter für sog. Schurkenstaaten erlassen. Trotzdem gelingt es z.B. dem Iran, für sein Atomprogramm und die Raketenentwicklung wichtige technische Teile wie z.B. Gyroskope, Grafit,
Wolfram und Molybdän einzuführen. Der Iran verkauft diese Raketen inzwischen an Russland, das sie gegen die Ukraine einsetzt. Bastian Obermayer und seine Kollegen gehen als investigative Journalisten der Spur eines geheimnisvollen chinesischen Händlers nach, Li Fangwei, im Westen nennt man ihn Karl Lee. Mit einem verwirrenden Firmengeflecht hängt er die kontrollierenden Finanzinstitute, Staatsanwälte und Geheimdienste stets aufs Neue ab. Wahrscheinlich hat er direkte Beziehungen zu hohen chinesischen Regierungsstellen. Dieses Katz- und Maus-Spiel verschiedener Geheimdienste und des "chinesischen Phantoms" wird spannend dargestellt. Die Autoren versuchen, sich aus unterschiedlichen Geheimdienstinformationen und Internetrecherchen ein Bild zu machen; dabei stoßen sie natürlich auch auf bewusste Ablenkungsaktionen und Falschinformationen. Karl Lee wird, so scheint es, von einer geheimnisvollen Hand geschützt. Dieses aktuelle Buch zum Machtkampf der Supermächte mit seinen vielen politischen Verwicklungen ist auch als Fernseh-Dokumentation verfilmt worden. Ab mittleren Beständen empfohlen.
Bernhard Grabmeyer
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Die Jagd auf das chinesische Phantom
Christoph Giesen [und drei weitere]
Kiepenheuer & Witsch (2023)
269 Seiten
kt.