Aufs Ganze
Die Jahre bis zu ihrem 10. Lebensjahr verbrachte Mikich in London mit ihrer deutschen Mutter und ihrem serbischen Vater, bis ihre Eltern sich trennten. Sie musste zunächst allein bei Verwandten in Herne und später in Mönchengladbach leben. Da sie
kein Deutsch sprach und noch dazu ein Scheidungskind war, wurde die Autorin in einer Umgebung, die sie als spießbürgerlich beschreibt, schnell zur Außenseiterin. Auch in ihrer Jugend ist Mikich so manchem ein Dorn im Auge: Sie trägt den angesagten Gammel-Look, besteht aber dennoch an einem konservativen Mädchengymnasium ihr Abitur mit Bestnoten. Schon während ihres Studiums schreibt sie Artikel für Zeitungen. Bei „Emma“ kann Mikich bald Alice Schwarzer, Yoko Ono und Margaret Thatcher interviewen. Als Auslandskorrespondentin und Kriegsberichterstatterin ist sie u. a. in Russland, im Kosovo und in Afghanistan unterwegs. - Ein sehr persönliches Buch der Autorin, die Einblicke in die hierarchische und von Männern dominierte Medienlandschaft vermittelt. Es finden sich aber auch Anekdoten zu politischen Ereignissen und historischen Persönlichkeiten, die Mikich mal in einem lockeren Erzählstil und mal mit journalistischer Knappheit beschreibt.
Adelgundis Hovestadt
rezensiert für den Borromäusverein.
Aufs Ganze
Sonia Mikich
Kiepenheuer & Witsch (2022)
294 Seiten
fest geb.