Alleinruhelage
Eine Ich-Erzählerin und ein Haus. Das Haus war als Rückzugsort für die Familie gedacht, als Ort für schöne Stunden. Ein See, in dem die Kinder schwimmen lernen konnten und all das in Waldnähe. Idylle? Das Haus ist eine alte Kneipe, lange ist
nicht klar, ob es als Familienhaus genutzt werden darf. Nicht weit entfernt eine Datschensiedlung. Deren Eigentümer lösen sich nur schwer von alten Gewohnheiten. Man wächst nur bedingt zusammen, arrangiert sich eben. Das Haus wird renoviert. Doch irgendwann bröckelt die Verbindung der Ich-Erzählerin zu ihrem Haus, ebenso wie die Beziehung, die sie führt. Die Zeichen dafür findet man im Haus selbst und der Umgebung. So ist die Sickergrube des Hauses zu klein für ihre Aufgabe, der See erholt sich kaum von einer Blaualgenschwemme, die Kiefern ums Haus fallen Borkenkäfern zum Opfer. Rückblenden lassen die Leser:innen am Familienleben teilhaben, schildern Kindheitserlebnisse der Ich-Erzählerin und lassen immer wieder den Schluss zu, dass vieles, was in der Vergangenheit als seltsam verstanden wurde, oder auch einfach so, wie es war, dazugehörte, später in einem anderen Licht gesehen werden musste, so wie die Italien-Urlaube mit Onkel Walter und Tante Hupfi. All das in einer wundervoll literarischen Sprache und mit vielen literarischen Einschüben.
Elke Wachner
rezensiert für den Borromäusverein.
Alleinruhelage
Eva Menasse
Kiepenheuer & Witsch (2026)
213 Seiten
fest geb.