Kartonwand
Als Türke in Deutschland zu arbeiten und Geld zu verdienen, ist die eine Seite – auf der anderen gibt es den Traum vieler, in ihre Heimat zurückzukehren. Am Beispiel seiner Familie erzählt der Kabarettist Fatih Çevikkollu sein Leben und das seiner
Familie. Es geht um enttäuschte Hoffnungen, fehlende familiäre Bindungen und eine gewisse Ausgrenzung in Deutschland. Sein Vater wollte zu Beginn des Anwerbeabkommens Anfang der 50er-Jahre, als massenhaft nach Arbeitern gesucht wurde, nur vorübergehend in Deutschland bleiben. Arbeiten jetzt – später in der Türkei leben! Aber mit der Migration nach Deutschland, also nach außen, begann auch die Migration nach innen. Die Mutter war hier total unglücklich, wurde psychisch krank und ist schon vor Jahren in ihre türkische Heimat zurückgekehrt, einsam und allein. Der Junge Fatih dagegen lebte gern in Deutschland, denn er wollte immer weg aus diesen Verhältnissen in der Türkei. Man erhält Einblicke in eine typische Familie, einschließlich der manchmal gewalttätigen Erziehungsmethoden. Die zentrale Frage des Buches: Löst Migration psychische Krankheiten aus, beantwortet der Autor mit „nein“. Es ist der Umgang mit den Migrierten und das Verhalten ihnen gegenüber.
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Kartonwand
Fatih Çevikkollu
Kiepenheuer & Witsch (2023)
207 Seiten : Illustrationen
kt.