Die Erfindung der Bundesrepublik
Rechtzeitig zum 75-jährigen Jubiläum der Verabschiedung des Grundgesetzes der späteren Bundesrepublik Deutschland im Mai 1949 hat eine Politikwissenschaftlerin mit journalistischem Hintergrund eine populäre Darstellung der prinzipiell bekannten
damaligen historischen Ereignisse verfasst, die dann die erst 1989/90 überwundene deutsche Teilung verfestigten. Während Stalin kurz nach der Währungsreform seit Ende Juni 1948 durch die Berlin-Blockade versuchte, die gesamte Stadt unter seine Herrschaft zu zwingen, arbeiteten ab September 1948 Politiker und auch einige wenige Politikerinnen in Bonn im Auftrag der Westalliierten im Parlamentarischen Rat an der verfassungsrechtlichen Grundlage für einen aus den Besatzungszonen der Westalliierten zu gründenden Staat. In ihrer Darstellung verknüpft die Autorin auf der Basis allgemein zugänglicher Quellen und vielfach populärer Publikationen beide parallellaufenden Vorgänge auf engste und verschafft den Ereignissen durch die Fokussierung auf einzelne am Geschehen beteiligter Akteure eine lebendige Anschaulichkeit. Zu diesen zählen nicht nur mit Konrad Adenauer und Carlo Schmid zwei Antagonisten des Parlamentarischen Rates, sondern z.B. auch Louise Schmidt, zeitweilig Regierende Bürgermeisterin von Gesamt-Berlin, und ein amerikanischer Pilot der Berliner Luftbrücke. Anders als dies bei einer tiefergehenden historischen Betrachtung üblich wäre, bedient sich die Autorin des Öfteren einer journalistisch-flotten Sprache und geht über manche flankierende Ereignisse in wenigen, recht pauschal formulierten Sätzen hinweg. Dennoch ein Buch, das heutigen Leser:innen wichtige Weichenstellungen der Jahre 1948/49 in den Westzonen und in Berlin vermitteln kann.
Siegfried Schmidt
rezensiert für den Borromäusverein.
Die Erfindung der Bundesrepublik
Sabine Böhne-Di Leo
Kiepenheuer & Witsch (2024)
216 Seiten : Illustrationen
fest geb.