Neues von den Unerwünschten
Jean-Marie Gustave Le Clézio erhielt 2008 den Literaturnobelpreis und erzählt hier in acht Geschichten aus den letzten dreißig Jahren von über die Erde verstreuten Menschen, von denen kaum Notiz genommen wird. Aufgrund ihrer Herkunft, Hautfarbe
oder ihres Namens stehen sie oftmals entrechtet am Rande der Gesellschaft. Maureez Samson verliert ihren Vater, der vom Fischfang nicht zurückkehrt. Von ihm erhält sie eine Goldmünze als Talisman, der sie schützen soll. Aber ihr Leben verläuft anders, sie wird von ihrer Stiefmutter geschlagen und reißt schließlich aus. Aber auch im Kinderheim kommt es zu Gewalt und Verrat. Sie flüchtet hoch ins Gebirge und singt Lieder vor sich hin, um sich Mut zu machen. Nach ihrer Entdeckung gehört sie nun einem kirchlichen Chor an und begeistert so ihre Mitmenschen. Eine andere Geschichte erzählt von einer Gruppe jugendlicher Mexikaner, die immer wieder heimlich, z.B. durch die Kanalisation, die Grenze zum "gelobten Land" USA überschreitet. Die Border Patrol jagt sie und bringt sie wieder zurück. Rührend ist die Erzählung von der Odyssee zweier minderjähriger Brüder im Libanon 1982. Oder: Ein nordafrikanischer Gastarbeiter in Frankreich sehnt sich nach seiner Frau. – Eine beeindruckende Sammlung, deren Texte teilweise bereits vor 20 oder 30 Jahren in Zeitschriften veröffentlicht wurden, aber die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben. Le Clézio zeigt mit einfühlsamen Worten, wie sich die "Unerwünschten" ihrer Ablehnung und Ausgrenzung entgegenstellen. – Sehr zu empfehlen!
Berthold Schäffner
rezensiert für den Borromäusverein.
Neues von den Unerwünschten
J.M.G. Le Clézio
Kiepenheuer & Witsch (2025)
235 Seiten
fest geb.