Sidekick
Falk, eitler und zunehmend bedeutungsloser Host einer Late-Night-Show, steht vor dem Karriereende. Der legendäre Showmaster bei SAT6 tritt ab und verabschiedet sich von der Fernsehlandschaft. Sein beliebter Sidekick und Stichwortgeber Boris hofft
auf den Aufstieg, doch Senderchefin Marianne setzt auf einen Neuanfang mit der jungen Influencerin Sara. Als Boris erfährt, dass ausgerechnet eine Influencerin die Show übernehmen soll, betrinkt er sich bei Falks Abschiedsfeier. Auf dem Firmenparkplatz kommt es nach einer weiteren Demütigung durch Falk zur Eskalation. Boris verpasst ihm einen Schlag und sperrt ihn kurzerhand in den Kofferraum von dessen protzigem Bentley. Boris startet den Motor, durchbricht die Schranke des Parkplatzes und fährt planlos durch die Republik. Währenddessen entwickelt Chefin Marianne eine zynische Idee: Warum die Entführung nicht einfach als mediale Inszenierung verkaufen? Ein Regisseur wird engagiert, um das Geschehen zu „steuern“ und so wird aus einer echten Entführung eine groteske Show mit erheblichem Medienecho. – Der Satiriker Sebastian Hotz (bekannt als El Hotzo) nimmt in seinem zweiten Roman die Mechanismen der TV-Welt auseinander und kritisiert die Oberflächlichkeit und den Personenkult im Fernsehen. Zugleich zeigt er die Logik auf, nach der Medien Aufmerksamkeit über Inhalt stellen. Mit beißendem, stellenweise etwas überdrehtem Humor, bissiger Ironie und viel Überspitzung entwickelt der Autor ein Szenario, das immer wieder treffende und komische Situationen bietet. Allerdings wirken viele Gags bemüht oder greifen bekannte Pointen erneut auf und die Hauptfiguren bleiben insgesamt eindimensional. Die irrwitzige, flott erzählte Komödie über Selbstinszenierung in der Showbranche und Machtkämpfe hinter den Kulissen, die nebenbei auch so manche gesellschaftliche Auswüchse – insbesondere im Bereich Social-Media – anprangert, ist dennoch für einen breiten Leserkreis empfehlenswert.
Günther Freund
rezensiert für den Sankt Michaelsbund.
Sidekick
Sebastian Hotz
Kiepenheuer & Witsch (2026)
297 Seiten
fest geb.